Die Geschichte der Chesterfield Möbel

Die früheste Form von Sitzmöbeln auf denen mehrere Personen Platz nehmen konnten war die Wandbank, deren Ursprung bis ins 15. Jahrhundert zurück datiert. Daraus entwickelte sich im späten 17. Jahrhundert das gepolsterte und damit komfortablere Sofa, bei dessen Frühformen noch viele Holzelemente sichtbar waren. Der Begriff Sofa tauchte in England erstmals im frühen 18. Jahrhundert auf und hat seinen wahrscheinlichen Ursprung im arabischen Wort Suffah.

Man glaubt, dass das Chesterfield Sofa, die Ikone der englischen Möbelkultur, ursprünglich vom 4. Earl of Chesterfield, Philip Dormer Stanhope (1694-1773), in Auftrag gegeben wurde und deshalb nach ihm benannt wurde. Neben seinen viel bewunderten Fähigkeiten als Politiker und Schreiber, war der weltmännische Stanhope ein bekannter Trendsetter seiner Zeit, der sehr viel Wert auf Etikette legte. Als der Earl den bekannten schottischen Architekten und Möbeldesigner Robert Adam (1728-1792), den Vater des britischen Klassizismus und Hauptvertreter des Adamstils, mit der Anfertigung eines Sitzmöbels beauftragte, in welchem Gentlemen aufrecht und mit höchstem Komfort Platz nehmen konnten, entstand das originale Chesterfield mit seiner charakteristisch tief geknöpften Polsterung, gerollten Armlehnen, gleich hohen Arm- und Rückenlehnen und mit Ziernägeln versehenen Vorderfront. Allerdings gibt es keine offizielle Bestätigung für diesen adligen Ursprung.

Andere glauben, dass das Chesterfield Sofa einfach nach der gleichnamigen Stadt in der englischen Grafschaft Derbyshire benannt wurde. Gemäß dem Oxford English Dictionary wurde der Begriff Chesterfield um 1900 dazu verwendet, sich auf ein beliebiges Sofa zu beziehen. Auch in Teilen Kanadas und Amerikas wurde der Ausdruck um die Jahrhundertwende dazu benutzt irgend ein Sofa zu beschreiben. Manche Leute glauben, die Phrase Chesterfield sei ursprünglich aus der Art der Kapitonierung der Lederflächen, der Form des Sofarückens und der Höhe der Sitzfläche hergeleitet worden. Das Chesterfield Sofa hat somit eine ungewisse Historie.

Chesterfields beschwören Bilder herauf, auf denen formal gekleidete Gentlemen in dunklen holzvertäfelten Sälen zurückgezogen Zigarre rauchen und Brandy nippen. Die viktorianische Ära sah das Chesterfield als ein den Wohnraum dominierendes Möbelstück, in welchem Gentlemen verweilten, während ihre Ehefrauen in Sesseln sitzend der Handarbeit nachgingen. Seit dem 19. Jahrhundert wurde es auch mit der Freud‘schen Psychoanalyse in Verbindung gebracht, da Sigmund Freud ein Chesterfield Sofa für seine Hypnosesitzungen mit Patienten benutzte.

Verbindet man das Chesterfield Sofa heutzutage insbesondere mit einem Bezug aus Leder, so wurden bereits im 18. Und 19. Jahrhundert Bezüge aus Stoff verwendet, insbesondere prächtiger Samt und gemusterte Stoffe. Das Chesterfield war eines der ersten voll gepolsterten Sofas ohne Sichtholz.

Die ganze Zeit hindurch haben Chesterfield Möbel in aller Welt Paläste des Adels, Gentleman’s Clubs, feine Hotels, Büroräume prominenter Geschäftsleute und luxuriöse Privaträume verziert. Heutzutage ist das Chesterfield ein Synonym für Eleganz und Klasse in Interieurs auf der ganzen Welt, in jedem Dekorations- und Architekturstil. Unabhängig von dem was es für viele repräsentiert, das Chesterfield verkörpert ein Sofa mit der perfekten Mischung aus Komfort und Niveau.

Waren Chesterfield Sofas einst Statussymbole der Elite, so sind sie heutzutage eine nachgefragte Möblierung für Privat- und Geschäftsräume und überall zu finden. Der Gewinn an Popularität ist zweifelsohne auf die klassische und elegante Form zurückzuführen. Ungeachtet der Geschichte, Chesterfield Möbel bleiben der Inbegriff von Luxus, Stil und Klasse. Nirgendwo sonst findet man ein derart anerkanntes und zeitloses Beispiel in der Geschichte der Möbelkultur.